Meditativ und urban: Zahntechnik in Japan

„Wichtig ist nicht, besser zu sein als alle anderen. Wichtig ist, besser zu sein, als du gestern warst!“ Dieses japanische Sprichwort könnte das Motto der Reise gewesen sein, die das Unternehmen Goldquadrat im April 2014 für 15 deutsche Zahntechniker organisiert hat. Ich durfte die Gruppe begleiten. Wir entdeckten das fernöstliche Land zur Zeit der Kirschblüte. Und so, wie das vielseitige Farbenspiel der Sakura faszinierte, beeindruckte uns das „Spiel“ des keramischen Meisters Kazunobu Yamada auf dem Weg zur natürlich wirkenden Front- und Seitenzahnkrone.

Ein virtuoses Spiel braucht Regeln

Kazunobu Yamada beeindruckte auf dem Hands-on-Kurs zum Thema „Ästhetische Restaurationen“ mit der CZR-Verblendkeramik und der EX-3-Keramik (beide Kuraray Noritake). In einem virtuosen Spiel aus Keramikpulver, Lustermassen, Malfarben, Formgefühl und Pinselführung vermittelte Kazunobu Yamada die Leichtigkeit seiner Schichtkunst und schöpfte aus dem Vollen. Da jedes Spiel nur mit Regeln funktioniert, kamen die theoretischen Ausführungen nicht zu kurz. Mit einer didaktisch erstklassigen Präsentation überzeugte der Referent mit aussagekräftigem Bildmaterial und ästhetischen Ergebnissen.

„Um es umsetzen zu können, musst du es verstehen.“

Japanische Weisheit

Nur eben ein bisschen anders

Der Enthusiasmus, mit welchem Mr. Yamadas eine Arbeitsphilosophie demonstrierte, wirkte ansteckend. Die „Liebe“ zur Zahntechnik war nach den ersten Stunden auch bei den Teilnehmern zu spüren.
 Denn eigentlich ist die Zahntechnik in Japan so wie in Deutschland – nur eben ein bisschen anders. Ist es in westeuropäischen Gefilden eher das Ziel, welches im Mittelpunkt steht, zelebrieren die japanischen Meister den Weg. Es war beeindruckend zu beobachten, wie die Teilnehmer während des Kurses in ihrem Tun aufgingen, nur auf das „Jetzt“ fokussiert und hochkonzentriert auf die keramische Schichtung; fast schon selbstvergessen.

Japaner sind anders

Nach dem Fachprogramm ging es auf eine Entdeckungsreise in eine völlig andere Welt. Modern, wohlhabend und fortschrittlich – so sehen wir Europäer Japan. Doch die asiatische Insel deshalb als „westlich“ zu bezeichnen, wäre falsch. Denn „Japaner sind anders“ – und einzigartig. Davon überzeugten wir uns hautnah; der gesellschaftliche Konsens, der unter den Japanern herrscht, steckte die Gruppe der Zahntechniker an.

Kulturell, meditativ, urban,

In einer offenen und kameradschaftlichen Atmosphäre erlebten wir gemeinsam die japanische Lebenswelt. So stand beispielsweise der Ort Kyoto – als Inbegriff der japanischen Kultur – auf dem Reiseplan. Japanische Baukunst wie aus einem Bilderbuch gab es auch in Nara zu besichtigen. Hier verzauberte uns zur Zeit der Kirschblüte der Nara-Garten. Die Besichtigung des Todaiji-Tempel und der größten bronzenen Buddha-Statue Japans war ein fast schon meditativer Abschluss dieses Ausflugs, bevor es einen Tag später nach Tokio ging.

Tokio gehört mit über 10 Millionen Einwohnern zu einer der größten Städte der Welt und bietet ein Kaleidoskop an Farben, Gerüchen, Impressionen. Das Unternehmen Kuraray hat hier seinen Hauptsitz. Mr. Manabu Suzuki (KurarayNoritake) und sein Team empfingen uns mit großer Gastfreundlichkeit. Durch sie wurde die „verrückte“ Millionenstadt für uns zumindest ein klein wenig fassbar.

„Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen.“

Grüner Tee und Bier

Für Japaner gehören Tradition und Moderne, Meditation und Karaoke, grüner Tee und Bier gleichermaßen zum Alltag. Ein Gefühl, welches sicherlich einige der Zahntechniker mit nach Deutschland nehmen: Das moderne Land Japan ruht trotz seiner rasenden Entwicklung in sich selbst und lebt das „Sowohl-als-auch“ in meisterlicher Weise.

„Do“ ist das japanische Wort für „Weg“

Den Weg, den wir während der intensiven Tage gegangen sind, kann man nicht auf einer Landkarte abstecken. Es war auch ein emotionaler Weg; das Erkennen einer anderen Lebens- und Arbeitsphilosophie. Das Erleben der keramischen Kunstfertigkeit von Kazunobu Yamada sowie das Eintauchen in die fernöstliche Kultur waren prägend – und, dass der Weg zum Ziel die Arbeit maßgeblich beeinflusst, wurde einmal mehr bewusst.

Annett Kieschnick, Berlin