Im Rahmen eines Interviews war ich in Angers (Frankreich) und konnte mir u. a. ein Bild vom Herstellungsprozess einer Verblendkeramik machen. Bei einem spannenden Gespräch mit Entwicklern und Anwendern gab es interessante Details zu erfahren.

Das Entwicklungsteam um Dr. Francois Lelièvre (Dentaurum ceramics, Frankreich) lud zu einem Treffen nach Angers ein. Hier wird die Verblendkeramik ceraMotion hergestellt. Mit ZTM Germano Rossi (Italien), ZT Hubert Dieker (Deutschland), Mark S. Pace (Dentaurum) und Anne Kocherscheidt (Produktmanagerin) diskutierten wir über Zahntechnik, Verblendkeramik und Leidenschaft.

Zahntechnik Texte Schreiben Artikel Bericht Interview CeraMotion Dentaurum
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Abb. 1 und 2: Bilder einer keramisch verblendeten Frontzahnrestauration von ZT Hubert Dieker. Verblendkeramik: ceraMotion (Dentaurum).

Auszüge aus dem Interview

Herr Dr. Lelièvre, was ist das Besondere an ceraMotion?

Bei der Entwicklung der synthetischen Verblendkeramik ging es uns nicht darum, noch eine weitere Keramik auf den Markt zubringen; davon gibt es genügend. Mit einem internationalen Team aus Chemikern, Werkstoffwissenschaftlern und Zahntechnikern ist es gelungen, ein neuartiges Konzept einer Verblendkeramik zu entwickeln. Im Wesentlichen ist das System durch seine Flexibilität gekennzeichnet. Zahntechniker erhalten ein einheitliches Massenkonzept für Gerüste verschiedenster Materialien und haben die Wahl zwischen einer einfachen Standardverblendung oder einem komplexen Schichtkonzept.

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Abb. 3
Werkstoffwissenschaftler Dr. Francois Lelièvre ist Geschäftsführer von Dentaurum Ceramics

Abb. 4
ZT Hubert Dieker (Geeste) ist leidenschaftlicher Keramiker.

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Herr Dieker, was hat Sie als Anwender überzeugt?

Die Keramik macht unsere Arbeit auf beinah wundersame Weise einfach. Das Verblenden wird schneller, wir brauchen keine Langzeitabkühlung und haben eine hohe Homogenität nach dem Brennen. Die Farben leuchten und haben eine unheimliche Kraft. Mit der hohen Transluzenz lässt ceraMotion zum Beispiel die Grundfarbe eines Zahnes von innen heraus durchscheinen.

Der natürliche Zahn findet sich in der Keramik wieder und umgekehrt – die Rekonstruktion sprüht vor Lebendigkeit.

Herr Rossi, was denken Sie über diese Keramik?

Mit dieser Keramik kann ich den alltäglichen Anforderungen meines Labors nach Ästhetik und Effizienz Rechnung tragen. Hinzu kommen die Standfestigkeit des Materials beim Schichten, das konstante Chroma sowie das minimale Schrumpfungsverhalten selbst bei vielen Bränden.

Keramiker stecken wie Künstler Feingefühl und Emotion in ihre Arbeit. Allerdings werden Künstler nur von ihrer Kunst nicht reich. Mit ceraMotion ist es möglich, die Kunst der Keramik zu leben und trotzdem effizient zu sein.

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Abb. 5
Auch ZTM Germano Rossi aus Italien ist Keramiker mit Herz und Seele

Abb. 6
Mark S. Pace ist Geschäftsführer der Dentaurum Gruppe

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Herr Pace, mit der Integration der Kunden in die Entwicklung haben Sie sich einen „Schatz“ erarbeitet! Bewusst?

Zahntechnik verändert sich. Unser Ziel war es, Zahntechnikern ein Keramiksystem zu bieten, welches komplexe Ansprüche erfüllt und zugleich die Effizienz unterstützt. Wir wollten ein „perfektes“ System für alle Fälle und haben alle Register gezogen. Natürlich ist einem Unternehmen die Meinung des Kunden wichtig. Die Kundenorientierung wandelt sich zunehmend zur Kundenintegrierung. Wir entscheiden bei Entwicklungen zukunftsbezogen und planen langfristig. Die Folgen eines „kurzfristigen“ unternehmerischen Handelns hat die Welt vor wenigen Jahren mit der Finanzkrise zu spüren bekommen. Eine Produktentwicklung dauert durch das aktive Einbinden von Kunden zwar etwas länger, aber genau das ist der Punkt. Wir als Familienbetrieb können und wollen uns diese Zeit nehmen!

Für uns als Familienunternehmen steht nicht die kurzzeitige Gewinnmaximierung an erster Stelle, sondern es sind Attribute, wie Werthaltigkeit, konstantes Wachstum, Eigenständigkeit und Verantwortung.

Abb. 7 und 8 Vorbild:
Natürliche Zahnsubstanz (links). Während der Entwicklung der ceraMotion wurde jedes Pulver nach dem Ausmaß an Fluoreszenz überprüft. (Bild: Dentaurum)

Abb. 9
Was gibt einer Keramik die brillante Farbwirkung und vereinfacht die Verarbeitbarkeit? ZTM Rossi (links) und ZT Dieker (rechts) ließen sich von Dr. Lelièvre das Herstellungsverfahren erklären.

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Abb. 10 bis 12
Ein eigens entwickeltes Verfahren: Thermo-Koloration. Nach dem Aufschmelzen der Oxide bei 1500 °C wird die flüssige Keramik-Masse in kaltem Wasser abgeschreckt

Abb. 13 bis 16
Einblick in das Herstellungsverfahren: Nach dem Aufschmelzen der reinen Oxide wird die flüssige Keramik-Masse in Wasser abgeschreckt. Die entstehende glasartige Fritte wird für etwa 10 Stunden bei 1000 °C getrocknet. Währenddessen entsteht innerhalb der Matrix durch Kristallkeimbildung Leuzit, welches das hohe Stabilitätsniveau des Farbtons ermöglicht. Diese Farbstabilität auch nach vielen Bränden wird von Anwendern als sehr positiv bewertet. Die Farbpigmente werden nach einem ersten Aufbrechen untergemischt.

Abb. 17 Glasfritten (Zwischenprodukt der Herstellung): Der reine Rohstoff hat bereits opaleszente Eigenschaften. Grund sind die Mikrokristalle, durch welche der blaue Anteil des Tageslichtes spezifisch gestreut wird.

Abb. 18 bis 20
Die Glaskeramik wird mit den mineralischen Pigmenten versetzt und homogen vermischt. Je nach Anwendung und Korngröße erfolgt dies über verschiedene Verfahren (Luftstrahlenmühle, Planetenmühle et ctera).

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Abb. 21
Die Optimierung von Partikelgröße, Kornmorphologie und Oberflächeneigenschaften der Pulver erlaubt eine optimale Formstabilität während des Schichtens.

Abb. 22
Anwender und Entwickler in Angers/Frankreich: (v.re) ZTM Germano Rossi (Pilotanwender), Anne Christine Kocherscheidt (Product Manager Prostetics, Dentaurum), Dr. Francois Lelièvre (Werkstoffkundler Dentaurum Ceramics), Mark S. Pace ist Geschäftsführer der Dentaurum Gruppe, Nathalie Walter (Übersetzerin), ZT Hubert Dieker (Pilotanwender), Maria Guerra Cubero (PR-Referentin Dentaurum).

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Annett Kieschnick, Berlin